Ems-Zeitung vom 21.3.2012:
„Die meisten Opfer kennen die Täter persönlich“
Dörpen: Start des Präventionsprojektes „Grenzgebiete – Sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen“
Anzügliche Bemerkungen, obszöne SMS, ungewollte Berührungen – sexuelle Übergriffe sind unter Jugendlichen keineswegs selten. Bei einem Vortrag in der Aula der Oberschule Dörpen erhielten Eltern und pädagogische Fachkräfte jetzt Hilfestellungen für den Umgang mit sexuellen Grenzüberschreitungen und Anregungen für die Präventionsarbeit.
Eine Reihe von Informationsveranstaltungen sind Teil des Präventionsprojektes „Grenzgebiete – Sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen“, zu dem auch ein Theaterstück für Jugendliche und Fortbildungen für Fachkräfte gehören. Auf Initiative des Arbeitskreises gegen sexuelle Übergriffe auf Kinder, der Familienberatungsstelle Papenburg und der Oberschule Dörpen hielt das Projekt jetzt Einzug ins nördliche Emsland.
Einer Kriminalstatistik zufolge werden 20 bis 25 Prozent der Vergewaltigungen und 30 bis 40 Prozent der Missbrauchshandlungen von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden verübt, erklärte Referent Antonius Geers von Pro Familia Osnabrück. Fast zwei Drittel der Mädchen, aber auch ein beachtlicher Teil der Jungen machen laut aktuellen Untersuchungen im Teenageralter unfreiwillige sexuelle Erfahrungen, so der Sozialpädagoge weiter. Nicht jeder dieser Übergriffe sei mit Gewalt verbunden. „Sie müssen schon bei verbalen Grenzüberschreitungen wachsam sein, denn auch die können verletzen“, mahnte der Referent. Problematisch sei, dass die Grenzen zwischen Spaß und Ernst häufig fließend seien. In solchen Fällen sei es notwendig, nachzufragen und gegebenenfalls klar Stellung zu beziehen.
„Die meisten Opfer kennen die Täter persönlich. Sie haben denselben Freundeskreis oder besuchen die gleiche Schule“, so Geers. Doch auch innerhalb von Beziehungen fänden sexuelle Übergriffe statt. „Wenn du nicht mit mir schläfst, mache ich Schluss“, heiße es dann zum Beispiel. Gerade, wenn es sich um den eigenen Freund handle, falle ein klares „Nein“ oft schwer. Für Eltern und Pädagogen sei es daher wichtig, schon früh das Selbstwertgefühl von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Nur dann seien diese in der Lage, sich für die eigenen Rechte und Grenzen einzusetzen, erklärte Geers. Erwachsenen, die von einem sexuellen Übergriff erfahren, rät er, die Tatvorwürfe ernst zu nehmen und den Kontakt zu spezialisierten Beratungsstellen herzustellen.“ „Auch, wenn es schwerfällt, bewahren sie Ruhe“, so Geers.